Die tragische Geschichte über den Gelenkverschleiß

Ein Artikel von Dr. med. Johannes Sommermeier

Ein allgegenwärtiges Problem, welches mitunter mehr als 30 mal pro Tag in Form von Gelenkbeschwerden durch die Praxistür spaziert, nennen wir Arthrose. Während der Wortanfang sich aus dem griechischen „Arthron“ ableitet und schlicht für Gelenk steht, hängen wir im medizinischen Fachchinesisch überall eine „-ose“ ran, wo etwas degeneriert, sich abbaut oder einfach verschleißt. Da bekommt die Redewendung „tote H-ose“ gleich eine viel dramatischere Bedeutung.

Unsere Gelenke sehen also je nach Alter, Belastung, Ernährung und Körpergewicht wie ein Käse aus, an dem von allen Seiten Mäuse herumknabbern. Knorpelgewebe franst aus wie ein Perserteppich und wird immer dünner, bis der darunterliegende Gelenksknochen zum Vorschein kommt. Der Knochen verliert an vielen Stellen seine Stabilität, entkalkt und bildet Luftblasen, die sogenannten Knochenzysten. Irgendwie versucht der Körper diesen schleichenden Verfall aufzuhalten und baut an den verschiedensten Gelenkflächen neues Knochenmaterial an. Solche Anbauten aus Knochen, die unsere Gelenkbeweglichkeit immer mehr einschränken, nennen wir Osteophyten. Entzündet sich so ein heruntergewirtschaftetes Gelenk, zum Beispiel durch abgeriebene Knorpelstückchen, die eine Schleimhautreizung provozieren, reden wir von einer aktivierten Arthrose und hängen die Endung „-itis“ hinten dran, was für Entzündung steht, sodass wir von einer Arthritis sprechen.

Die vier Stadien des Knorpelschadens im Kniegelenk:

Zuerst wird unser Knorpel weicher und anfälliger und sieht mit seinen Fransen aus wie eine ungemähte Wiese. Bei einem Knorpelschaden Grad 2 bilden sich Knorpelvertiefungen, die allerdings von ihrer Tiefe noch nicht die Hälfte der eigentlichen Knorpeldicke überschritten haben. Erst Grad 3 erreicht eine Tiefe, bei der unser Knochen nur noch von einer hauchdünnen Schicht Knorpel überzogen wird und die Knochenhaut schon darunter hervorleuchtet. Beim vierten Grad ist der Knochen vollständig freigelegt und ohne abfedernden Knorpel dem Gelenkdruck und der Reibung zwischen den Gelenkpartnern schutzlos ausgeliefert.

Meistens vereinen wir mehrere unterschiedliche Degenerationsgrade in unseren Gelenken, wobei sich bei nicht gerader Beinachse im Knie zuerst die Seite mit der größten Belastung abreibt. Beim typischen Fußballer mit O-Beinen wäre das die Innenseite und bei X-Beinen die Außenseite des Kniegelenkes. Dieser unschöne Prozess bekommt aber bei unserem Knie eine noch dramatischere Wende, wenn ein Meniskus, die halbmondförmige knorpelige Gelenkzwischenscheibe, einreißt und mit den Rissenden wie eine Fahne im Wind weht.

Wer schon Schäden dritten Grades hat und nicht binnen weniger Jahre bei Grad 4 landen will, sollte auf die tägliche Einnahme von feingemahlener Braunhirse, die voller wunderwirkender Kieselsäure steckt, und auf die konsequente Reduktion von schwefeloxidhaltigem Schweinefleisch achten. Wer bereits im fortgeschrittenen Alter ist und unter beginnender Knochenarmut leidet, sollte auch den Gebrauch von phosphatreicher tierischer Milch runterfahren und stattdessen auf kalziumreiche Früchte zurückgreifen, wie getrocknete Feigen.

Vor allem Frauen nach der letzten Regelblutung sollten die knochenaufbauende Wirkung der Phytoöstrogene in Sojaprodukten für sich nutzen. Naturbelassene Produkte mit den Pflanzenextrakten aus Hagebutte, Teufelskralle, Kurkuma, Pinienrinde, Weidenrinde, Brennnessel und Ackerschachtelhalm sollten nicht unterschätzt werden. Selbst Heilfasten hilft uns durch die aktivierende Wirkung auf unsere Stammzellen.

Eine weitere Option ist die Gelenkspritze mit Hyaluronsäure. Wir produzieren selber Hyaluronsäure als zähflüssigen Hauptbestandteil unserer Gelenkschmiere in unserer Schleimhaut im Inneren der Gelenkkapsel. Das Zeug sieht aus wie die Schleimspur einer Nacktschnecke, ist aber das perfekte Schmiermittel zwischen unseren Gelenkpartnern. Hyaluronsäure hat mit ihrer Druckbeständigkeit eine ausgesprochene Pufferwirkung und ist die Nahrung für unsere äußeren Knorpelflächen, die nicht von Durchblutung leben, sondern von Osmose.

Bei der Betreuung von Hochleistungssportlern konnte ich durch eine dreimalige Gelenksspritze mit dieser zähen Masse in den meisten Fällen nach einem Jahr eine sichtbare Knorpelneubildung im MRT nachweisen. Klar kann man die Wirkstoffe der Gelenkschmiere auch als Tabletten schlucken. Leider wird die geringe Menge, die unseren Magen-Darmtrakt und die Leber überlebt, auf alle Gelenke unseres Körpers verteilt, weshalb sie so nur begrenzt helfen kann.

Leiden wir unter zunehmenden langanhaltenden Gelenkschmerzen, die jeden kleinen Spaziergang zu einer Katastrophe werden lassen, verordne ich meinen Patienten eine Szintigraphie. Hierbei werden weiße Blutkörperchen mit einer kleinen radioaktiven Markierung in die Blutbahn gespritzt. Diese sogenannten Leukozyten gehören in unserem Körper zum Wachpersonal und wandern genau zu den Orten, an denen etwas nicht stimmt oder gerade eine Entzündungsparty tobt und lassen sich durch ihre Markierung mit einer Gamma-Kamera perfekt darstellen. Sie klammern sich auch an unsere Arthrose und zeigen mir wo und wie stark unser Gelenk beschädigt und entzündet ist.

Bei einer fortgeschrittenen Arthrose mit Entzündung, das wäre die bereits genannte Arthritis, kann die Verödung der inneren Gelenkkapsel mit ihrer schmerzempfindlichen Schleimhaut durch eine kleine Gelenkspritze mit radioaktivem Material schlagartig unsere Schmerzen nehmen. So eine Radiosynovektomie kann jedoch leider weder die Ursache des Schadens noch den Knorpelschaden selbst verbessern. Ähnliches gilt für die fünfmalige Bestrahlung eines zerstörten Gelenkes für jeweils 10 Sekunden mit Röntgenstrahlen. Beide Therapien sind also für einen stark gestörten Gelenkszustand gedacht, um auf die Schnelle für mitunter mehr als ein Jahr die Schmerzen und Entzündung zu nehmen und uns vor massivem Gebrauch von magen- und nierenunfreundlichen Schmerzmedikamenten zu bewahren.

Am häufigsten kommen Skifahrer und Basketballer in meine Praxis, die sich ihren Fuß verkantet und ihr Knie dabei verdreht haben. Ist der dann entstandene Meniskusriss so groß, dass wir durch umgeschlagene Rissenden oder Meniskusverdrehungen unser Knie dauerhaft weder beugen noch strecken können und jeder Schritt massive Schmerzen auslöst, nähen wir während einer Kniespiegelung den frischen Riss wieder zusammen oder entfernen einen älteren Riss mit degenerierten Meniskusrändern durch sparsame Gewebeentnahme mit einer Saugfräse.

Die letzte Option einer Arthrose-Behandlung ist das Einsetzen eines künstliches Gelenkes.

Dr. med. Johannes Sommermeier