Erkrankungen der Hirnanhangdrüse

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Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) ist eine nur etwa kirschkerngroße endokrine Drüse mit einem Gewicht von weniger als einem Gramm. Sie befindet sich auf Höhe der Nasenwurzel in einer kleinen Knochenmulde direkt unterhalb des Gehirns, daher auch die Bezeichnung Hirnanhangdrüse. Unmittelbar oberhalb der Hypophyse befindet sich der Hypothalamus, mit dem die Hypophyse mit dem sogenannten Hypophysenstiel fest verbunden ist. Die endokrine Drüse hat eine enorme Bedeutung bei hormongesteuerten Körper- und Stoffwechselprozessen. Sie produziert im sogenannten Hypophysenvorderlappen insgesamt sechs glandotrope Steuerhormone, die die Hormonproduktion nachgeordneter endokriner Drüsen wie der Schilddrüse steuern. Der Hypophysenhinterlappen (Neurohypophyse) ist strenggenommen Teil des Zwischenhirns. Die Hormone des Hypophysenhinterlappens werden vom Hypothalamus produziert und von der Hypophyse zwischengespeichert. Die Hormone aktivieren nach ihrer Ausschüttung ins Blut die Aktivität bestimmter Organe direkt ohne Umweg über eine weitere, zwischengeschaltete endokrine Drüse. Das trifft beispielsweise auf das antidiuretische Hormon ADH und auf Oxytozin zu, gelegentlich auch als Kuschelhormon bezeichnet. Die Hirnanhangdrüse gilt damit als eine der wichtigsten Kontroll- und Steuerinstanzen für zahlreiche hormonell gesteuerte Vorgänge im Körper. Allerdings wird ein Teil der Hormonproduktion vom Hypothalamus mittels Botenstoffen überwacht und reguliert. Der Hypothalamus verkörpert damit die oberste Kontrollinstanz für vielfältige, hormongesteuerte Vorgänge im Körper dar.

Die wichtigsten möglichen Erkrankungen der Hirnanhangdrüse

Angesichts der zahlreichen Steuerfunktionen, die die Hypophyse ausübt, ist es nicht verwunderlich, dass eine Störung der Hormonproduktion aufgrund ihrer großen Hebelwirkung gravierende Auswirkungen hat. Probleme können einerseits durch eine verminderte oder durch eine gesteigerte Hormonproduktion entstehen. Weitere Beschwerden und Symptome werden durch lokale Kompressionen von Nervengewebe ausgelöst, wenn eine Vergrößerung der Drüse durch Entzündungen oder durch benigne oder maligne Tumoren eine Raumforderung bedingt. Beispielsweise kann die direkt oberhalb der Drüse befindliche Sehnervkreuzung (Chiasma opticum) durch Druck beeinträchtigt werden mit gravierenden Auswirkungen auf das Sehvermögen.

Erkrankungen der Hirnanhangdrüse sind insgesamt relativ selten. In etwa 80 Prozent der Fälle, die mit einer gestörten Hormonproduktion oder mit einer Vergrößerung durch neugebildetes Drüsengewebe (Neoplasien) verbunden sind, handelt es sich um Hypophysenadenome. Die Adenome sind zwar meist benigne, aber weil die Adenome fast immer aus Drüsengewebe bestehen, produzieren und sekretieren sie unreguliert Steuerhormone. Beispielsweise ist der häufigste gutartige Tumor das Prolaktinom. Er produziert laufend das Hormon Prolaktin. Es führt bei Frauen zu Zyklusstörungen und zu ständigem Milchfluss. Bei Männern löst das Zuviel an Prolaktin Libidoverlust und Erektionsstörungen aus.

Hypophysenadenome führen in der Regel zu einer spezifischen Überproduktion des Hormons, das dem Drüsengewebe entspricht, aus dem heraus sich der Tumor entwickelt hat, während die übrigen Hormone typischerweise einer Unterproduktion unterliegen.

Äußerst selten mit etwa einer Neuerkrankung pro sieben Millionen Einwohner ist die Entzündung der Hypophyse, der Hypophysitis. Die Hauptprobleme entstehen dabei durch Raumforderungen, die Beschwerden wie Kopfschmerzen und Sehstörungen, Hormonmangelzustände und eine regelrechte Harnflut verursachen können. Die stark vermehrte Harnausscheidung entsteht, wenn die Hypophyse zu wenig antidiuretisches Hormon (ADH) produziert, das für eine ausreichende Rückresorption des Primärharns sorgt. Bei einem Mangel scheidet der Körper sehr viel Flüssigkeit aus, was ein ständiges Durstgefühl erzeugt. Eine durch Erkrankung der Hypophyse verursachte Überproduktion an Wachstumshormonen führt bei Kindern zu Entwicklungsstörungen in Form von Riesenwuchs (Gigantismus) und bei Erwachsenen zur Akromegalie. Es findet eine langsame Vergrößerung der Extremitäten wie Hände, Füße, Ohren, Nase und Zunge statt.

Die gesicherte Diagnose setzt interdisziplinäre Zusammenarbeit voraus

Wegen der nicht immer eindeutigen Symptome, die eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse verursachen kann und wegen ihrer relativen Seltenheit erleichtert die richtige Einschätzung ein gehöriges Maß an endokrinologischem Wissen und Erfahrung. In unserer MEOCLINIC im Herzen von Berlin verfügt unser Endokrinologe über das notwendige Fachwissen und auch über ein großes Maß an praktischer Erfahrung. Wenn sich aufgrund der ausführlichen Anamnese ein Anfangsverdacht auf Vorliegen einer Erkrankung der Hypophyse ergibt, stehen modernste Geräte zur Verfügung, um eine genaue Diagnose erstellen zu können. Vor allem kann eine gesicherte Abgrenzung einer Hypophysitis von einem Hypophysenadenom getroffen werden.

In der Abteilung Endokrinologie und Nephrologie unserer Privatklinik in Berlin schließen sich an die Anamnese zunächst sorgfältige Labortests an, in denen die Konzentration vieler Hormone bestimmt wird. Der Spezialist und Endokrinologe kann sich aus den Labormessungen ein Bild über die Art der wahrscheinlich vorliegenden Krankheit machen. Die vorläufige Diagnose kann bei Bedarf durch bildgebende Verfahren wie Röntgen des Schädels (Seitbild), Computertomografie (CT) oder durch ein Hypophyse MRT verifiziert und präzisiert werden. Der besondere Vorteil unserer Klinik in Berlin besteht darin, dass sich der verantwortliche Facharzt und Endokrinologe die interdisziplinäre Meinung eines Kollegen oder Kollegin einer anderen medizinischen Fachabteilung direkt vor Ort einholen kann.

Die Behandlung der wichtigsten Erkrankungen der Hirnanhangdrüse

Die beiden wichtigsten Therapieziele bei der Behandlung von Erkrankungen der Hypophyse bestehen darin, einerseits die Probleme, die ein Zuviel oder Zuwenig eines bestimmten Hypophysenhormons provozieren, zu kompensieren und andererseits die Folgen eventueller Verdrängungskompressionen zu beheben. Grundsätzlich besteht die Tendenz, einzelne defizitäre Hormone der Hypophyse zu substituieren. Allerdings wird bei Ersatz des Adrenocorticotropen Hormons (ACTH), das die Ausschüttung des körpereigenen Stresshormons Cortisol in den Nebennieren steuert, für die Patienten eine Schulung empfohlen, die wir in unserer Klinik in Berlin anbieten.

Hypophysenadenome sind zwar in der Regel gutartig, aber sie werfen Probleme durch eine Art autonomer Hormonproduktion auf und durch Platzbeanspruchung. Falls ein diagnostiziertes Hypophysenadenom keine Beschwerden verursacht, ist es nicht zwangsläufig behandlungsbedürftig, sollte aber in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Falls das Adenom größere Probleme bereitet, werden die Vor- und Nachteile einer medikamentösen Behandlung gegenüber einer vollkommenen Entfernung der Wucherung besprochen. Indikationen, die für die Entfernung des Adenoms sprechen, liefert unter anderem das Hypophyse MRT. In unserer Endokrinologie und Nephrologie entfernen wir ein Hypophysenadenom bevorzugt auf minimalinvasivem Weg durch die Nase. Die Methode hat unter anderem den Vorteil, dass nach der OP keinerlei Narben zurückbleiben.