Motorische Ersatzoperationen

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Das menschliche Nervensystem besteht aus vielen Milliarden Zellen, die ununterbrochen elektrische Signale transportieren. Allein im peripheren Nervensystem gibt es über 40 Nervenpaare. Zusammengelegt erreichen alle Nervenbahnen eines Erwachsenen eine Länge von mehr als fünf Millionen Kilometern. Als primäre Funktion des Nervengewebes gilt die sensomotorische Steuerung des Körpers. Periphere Nerven liegen außerhalb des zentralen Nervensystems und vermitteln Signale in verschiedene Richtungen. Sie geben einerseits Informationen aus den Organen, Muskeln und Drüsen ans Gehirn weiter. Andererseits leiten sie Befehle aus dem Gehirn in Zielorgane wie die Muskeln. Auf diesen Funktionen basiert die menschliche Motorik. Störungen der motorischen Fähigkeiten treten bei Schädigungen der Nerven und Muskeln sowie ihrer Verbindungsstelle auf. Nach Traumata im Rahmen schwerer Unfälle können Nervenbahnen derart stark beschädigt sein, dass die Funktion weder durch Rekonstruktion noch Transplantation wiederherstellbar ist. In solchen Fällen empfiehlt der Facharzt für rekonstruktive Chirurgie motorische Ersatzoperationen.

Was sind motorische Ersatzoperationen?

Die rekonstruktive Chirurgie nutzt motorische Ersatzplastiken nach der Ausschöpfung konventioneller Behandlungsmethoden zur Wiederherstellung verlorener Muskelfunktionen. Bei Lähmungen durch schwere Nervenschädigungen im Bereich der oberen und unteren Gliedmaßen lässt sich durch motorische Ersatzoperationen oft ein wertvoller Zugewinn an Funktionalität erreichen. Im Prinzip verlagert man im Rahmen der Operation eine gesunde Sehnen-Muskel-Einheit, um gelähmte oder anderweitig zerstörte Muskelfunktionen zu ersetzen. Der Spezialist bezeichnet dieses Verfahren auch als Transposition. Jede motorische Ersatzplastik vereint demzufolge die Sehne eines willentlich beweglichen Spender-Muskels mit der eines funktionsbeeinträchtigten Empfängers. Beim Spender handelt es sich stets um Muskelgewebe, dessen eigene Funktion entbehrlicher ist als die Motorik des Empfängers. Die rekonstruktive Chirurgie nutzt motorische Ersatzoperationen sowohl bei irreparablen Nervenverletzungen, als auch Muskel- und Sehnenzerstörung im Rahmen von

  • Unfällen
  • Tumorleiden
  • Fehlbildungen
  • spastischen Bewegungsmustern
  • zentralen Erkrankungen wie Zerebralparese oder Schlaganfall

Welche Ersatzplastiken stehen zur Verfügung?

Soll eine motorische Ersatzoperation die ursprüngliche Muskelfunktion im Hand-, Arm- oder Fußbereich wiederherstellen, bleiben die Operationen meist lokal begrenzt. Ist zum Beispiel ein einzelner Finger in seiner Funktion beeinträchtigt, lagert man seine Sehne an eine funktionstüchtige Muskelgruppe in der direkten Umgebung um. Als motorische Ersatzplastiken besonders verbreitet sind Verfahren wie die folgenden:

  • motorische Ersatzplastik Hand: Schwerere Verletzungen der Mittelhand-Nerven schwächen in vielen Fällen die Daumenballenmuskulatur. Die Opposition des Daumens zum Rest der Finger ist in diesem Fall nicht mehr möglich. Diese Symptomatik ist im Alltag mit starken Beeinträchtigungen verbunden, weil die Daumen-Opposition beispielsweise für Greifbewegungen erforderlich ist. Sehnenumlagerungen können die Greiffunktion der betroffenen Hand im Rahmen einer Opponensplastik wiederherstellen. Die rekonstruktive Chirurgie spricht hierbei auch von einer Medianusersatzplasik.
  • motorische Ersatzoperation Radialis: Der Radialisnerv ist besser als Speichennerv bekannt und kann infolge von Frakturen des Oberarmknochens Lähmungserscheinungen entwickeln. Radialislähmungen betreffen die Streckung des Daumens, Ellenbogens und Handgelenks. Die Fallhand ist eine besonders typische Symptomatik. Die rekonstrukive Chirurgie nutzt nach Radialislähmungen über 50 verschiedene Verlagerungsverfahren. Um die Streckung des Handgelenks wieder zu ermöglichen, verlagert man meist den vom Nervus medianus innervierten Musculus pronator teres. Zur Rekonstruktion der Daumen- und Fingerstreckung stehen als Spender alle Muskeln zur Verfügung, die durch den Nervus ulnaris und medianus versorgt werden.
  • motorische Ersatzplastik Fuß: Die Fußheberschwäche nach Ausfallerscheinungen des Nervus peroneus ist eine relativ verbreitete Unfallfolge und wird konventioneller Weise mit einer Peroneus-Schiene behandelt, die den Fußrücken nach oben beugt. Durch eine Ersatzoperation mit Verlagerung des Musculus tibialis posterior lässt sich das Problem eleganter lösen. Obwohl sich hierdurch meist keine vollständige Wiederherstellung der ursprünglichen Funktionen erreichen lässt, können viele Betroffene anschließend auf die Peroneus-Schiene verzichten. Das Operatiosverfahren zur anteiligen oder vollständigen Wiederherstellung der Fußhebebewegung gilt als Steigbügeloperation. Es gibt im Hinblick auf eine solche Steigbügelplastik Erfahrungen, die von einem nahezu vollständigen Zugewinn an Muskelfunktion berichten.

Auf die Prognose der genannten Verfahren wirkt sich nicht nur die ärztliche Operationsplanung aus. Ebenfalls wichtig ist die Mitarbeit des Patienten. Das gilt sowohl im Hinblick auf Muskelkräftigungen, als auch Trainingseinheiten nach der Operation. Zum Beispiel bestätigen bei der Steigbügelplastik Erfahrungen von vielen Patienten, dass sich physiotherapeutische Maßnahmen äußert günstig auf den Wiederherstellungsgrad der Fußhebefunktion auswirken.

Wovon hängt die Prognose motorischer Ersatzplastiken ab?

Das Ergebnis einer motorischen Ersatzoperation hängt unter anderem vom Zustand des Empfänger- und Spendergewebes ab. Im Hinblick auf die Muskelkraft, die Amplitude und die Funktionsanpassung ähneln sich Spender und Empfänger idealerweise deutlich. An der Empfänger-Stelle sind passiv frei bewegliche Gelenke, narbenfreie Gleitlager und stabile, gut verschiebbare Hautverhältnisse günstig. Das transponierte Gewebe kann unter diesen Umständen gute Kraftentwicklung entfalten. Die muskulären Gegenspieler (Antagonisten) an der Zielstelle dürfen die neu geschaffene Balance nicht stören. Dies lässt sich vorab durch physiotherapeutische Maßnahmen erreichen. An der Ursprungsstelle muss der transponierte Muskel durch Physiotherapie außerdem ausreichend auftrainiert worden sein, um an seinem neuen Bestimmungsort aktiv mit Nerven versorgt werden zu können. Motorische Ersatzoperationen finden deshalb idealerweise erst nach ausgiebigem Training statt, um einen Kraftzuwachs zu garantieren. Auch anschließend ist die Teilnahme an Physiotherapie aus prognostischen Gründen unersetzlich.

Motorische Ersatzoperation in der MEOCLINIC Berlin

Mit der individuellen Beratung von motorisch beeinträchtigten Patienten haben unsere Fachärzte der MEOCLINIC viel Erfahrung. Abhängig von den bisher unternommenen Behandlungsversuchen, der Ursache und dem Beeinträchtigungsgrad entwickeln sie gemeinsam mit Betroffenen eine Therapie, die ideal auf die individuellen Bedingungen zugeschnitten ist. Motorische Ersatzoperationen kommen in den meisten Fällen erst nach der Ausschöpfung konventioneller Therapiemaßnahmen zum Einsatz und erfordern neben genauer Planung intensive Vorbereitung. Während der Operation stellen rekonstruktive Chirurgen der MEOCLINIC mit höchster Präzision das be