Behandlung mit Botulinumtoxin bei Migräne, Dystonien und Spastik

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Was ist Botulinumtoxin?

In der Natur wird Botulinumtoxin (kurz: Botox) von bestimmten Bakterien (Clostridium botulinum) gebildet. Die Sporen dieser Bakterien sind überall im Boden und Meeresboden anzutreffen. Botulinumtoxin weist eine sehr hohe Toxizität auf und gilt als das stärkste bekannte bakterielle Gift. Für den Menschen ist das Nervengift ab einer bestimmten Menge tödlich. Das Toxin hemmt die Ausschüttung des Neurotransmitters Acetylcholin in den Nervenendigungen im synaptischen Spalt. Dies führt zu einer vollständigen Lähmung der cholinergen (auf Acetylcholin reagierenden) Nervenfasern und damit zu einer schlaffen Lähmung der quer gestreiften Muskulatur.

Botulinumtoxin in der Neurologie und Psychiatrie

Dieser Wirkmechanismus wird auch in der Neurologie therapeutisch ausgenutzt, um überaktive Muskeln durch fehlgesteuerte Nervenimpulse zu beruhigen. Hierzu werden lediglich kleinste Mengen des Toxins als Injektionslösung in die betroffenen Muskelpartien gespritzt (= intramuskuläre Injektion). In den behandelten Muskelpartien wird die Ausschüttung von Acetylcholin und damit die neuromuskuläre Übertragung blockiert. Der überaktive Muskel wird so durch eine gezielte Lähmung ruhiggestellt.

Botulinumtoxin wirkt dabei ausschließlich lokal. Eine systemische (auf den gesamten Körper bezogene) Wirkung findet nicht statt.

Zu den mit Botulinumtoxin behandelbaren neurologischen Erkrankungen gehören in erster Linie Dystonien, Spastiken und chronische Migräne. Die Behandlung mit Botox verbessert die Beweglichkeit der von einer Dystonie oder Spastik betroffenen Muskeln und erleichtert so Alltagsverrichtungen. Sie beugt zudem Komplikationen wie beispielsweise dauerhaften Kontrakturen (Einschränkung der Beweglichkeit von Gelenken) vor.

Allgemeiner Behandlungsablauf der Botulinumtoxin-Therapie

Zunächst wird sich unser Spezialist aus dem Fachbereich Neurologie und Psychiatrie in unserer Klinik in Berlin im Rahmen eines Anamnesegesprächs ausführlich mit Ihnen unterhalten. Hierbei wird er Ihre Diagnose anhand der für Ihre Erkrankung charakteristischen Bewegungsmuster absichern und Sie ausführlich beraten. Gegebenenfalls wird er zusätzliche neurologische Test und bildgebende Verfahren (CT, MRT) durchführen. Diese dienen der genauen Bestimmung des Spannungs- und Funktionszustands der betroffenen Muskelpartien sowie der Behandlungsplanung.

Die sich anschließende Behandlung mit Botox dauert dagegen nur wenige Minuten. Bei dieser injiziert unser Facharzt das Botulinumtoxin mit einer sehr feinen Injektionsnadel in die zu behandelnden Muskeln. Hierbei kann unser Spezialist gegebenenfalls eine EMG-Nadel zur Injektionskontrolle verwenden (Elektromyografie-geführte Injektion). Die Dosis ist von der Größe des zu behandelnden Muskels sowie Ihrer individuellen Sensibilität abhängig ist. Um Nebenwirkungen vorzubeugen, verabreicht unser Neurologe zudem in der ersten Sitzung die kleinstmögliche Menge.

Wirkungseintritt und Wirkdauer

Nach der Behandlung dauert es mehrere Tage, bis Sie die ersten Effekte spüren. Die volle Wirkung zeigt sich nach etwa zwei bis drei Wochen. Daher wird unser Facharzt in der dritten bis vierten Woche nach der Injektion einen Kontrolltermin bei uns in der MEOCLINIC in Berlin mit Ihnen vereinbaren.

Nach der Entfaltung der vollen Wirkung kommt es anschließend über mehrere Wochen zu einer sogenannten Reinnervierung (Wiederaufnahme der Signalübertragung) des behandelten Muskels, bis die Wirkung schließlich nach 12 bis 16 Wochen wieder nachlässt. Die Therapie ist entsprechend rein symptomatisch und beseitigt nicht die Ursachen Ihrer Erkrankung. Daher muss die Botulinumtoxin-Behandlung regelmäßig nach etwa 12 Wochen wiederholt werden. In jeder Sitzung wird unser Facharzt die Dosis gegebenenfalls an den vorher beobachteten Wirkeffekt anpassen.

Behandlung mit Botulinumtoxin bei Dystonien

Bei Dystonien zwingen unwillkürliche Muskelkontraktionen Kopf, Rumpf und Extremitäten zu einer unnatürlichen Bewegung oder zu abnormen, sich wiederholenden Bewegungen. Deren Heftigkeit kann dabei durch emotionale Erregung, beim Gehen oder auch während des Aufenthalts unter Menschen verstärkt werden. Die Erkrankung ist chronisch fortschreitend, kann zwischendurch aber auch über einen längeren Zeitraum frei von Krankheitszeichen verlaufen. Die Ursachen sind bislang nicht vollständig geklärt. Bei einem Teil der Betroffenen ist die Erkrankung auf eine Genmutation zurückführbar, bei einem anderen Teil ist sie die Folge einer anderen Erkrankung wie beispielsweise einer Stoffwechselstörung. Auch strukturelle Läsionen durch einen Tumor oder ein Trauma können eine Dystonie auslösen.

Da die unwillkürlichen Muskelkontraktionen auf eine Fehlsteuerung der die betroffenen Muskeln aktivierenden Nerven zurückgehen, kann unser Spezialist bei bestimmten Dystonien die fehlgeleitete Signalübertragung zwischen Gehirn und Muskel mit Botulinumtoxin ausschalten. Zu den behandelbaren Dystonien gehören vor allem fokale und segmentale Dystonien. Bei diesen Dystonien sind eine bzw. zwei benachbarte Körperregionen